Unvollkommen Sein

Wer zu sich selbst finden will,
muss sich nichts aufbürden,
sondern eher etwas abwerfen:
das Verlangen nach Bestätigung von anderen.

Lisette Thooft


Unvollkommen

In meinen Beziehungen zu Menschen habe ich herausgefunden, dass es auf lange Sicht nicht hilft, so zu tun als wäre ich jemand, der ich nicht bin. Es hilft nicht ruhig und freundlich zu tun, wenn ich eigentlich ärgerlich bin und Bedenken habe. Es ist nicht hilfreich, so zu tun, als wüsste ich die Antworten, wenn ich sie nicht weiß. Es hilft nicht, den liebevollen Menschen zu spielen, wenn ich im Augenblick eigentlich feindlich gestimmt bin. Es hilft mir nicht, so zu tun, als wäre ich voller Sicherheit, wenn ich eigentlich beängstigt und unsicher bin.

Yoga üben - Viele Gesichter haben dürfen

© twinlili / pixelio.de

Ich habe entdeckt, dass diese Behauptung sogar auf einer sehr einfachen Ebene gültig ist: Es hilft nicht so zu tun, als sei ich gesund, wenn ich mich krank fühle. (…) Ich spüre, dass ich den Umständen gerechter werde, wenn ich mir erlaube, so zu sein wie ich bin. Es ist für mich einfacher geworden, mich als entschieden unvollkommenen Menschen zu akzeptieren, der keinesfalls zu jeder Zeit so handelt, wie ich handeln möchte. (…) Wenn ich mich so, wie ich bin, akzeptiere, dann ändere ich mich.

aus: Carl C. Rogers: Entwicklung der Persönlchkeit. Psychotherapie aus der Sicht eines Therapeuten. Klett-Cotta, Stuttgart 2012.


Yoga üben und die Einladung zum Unvollkommen-Sein

Wenn wir Yoga üben, üben wir uns auch im Unvollkommen-Sein. Die Wirkung in den Körper- und Atemübungen des Yoga entfaltet sich dann in der Tiefe, wenn wir unsere Vorstellung, wie eine Haltung auszusehen hat, hinter uns lassen und erleben, wie wir uns frei von Leistungsdruck in eine Haltung hineinbegeben können.

Der Weg des Yoga führt durch das Tor des Sich-Annehmens

© claudia hautumm / pixelio.de

Wir üben achtsam, achten unsere derzeitige Grenze und finden so unseren eigenen Zugang zu einer Haltung. Auf diese annehmende Weise entdecken wir mit der Zeit unsere inneren Hal-
tungen, die uns darin unterstützen an eine äußere Haltung anzuknüpfen oder uns daran hindern. Yoga üben bedeutet, sich im ganz eigenen Un-
vollkommen-Sein kennenzulernen. Der Weg des Yoga führt durch das Tor des Sich-Annehmens.

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